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'gendern'/'gegendert' umgangssprachlich für "geschlechtssensibel", "etwas geschlechtssensibel gestalten".
In Zusammenhang mit Personen: >Genderkompetenz
In Zusammenhang mit Schriftstücken/Sprache: >geschlechtergerechte Sprache

 
Gender englische Bezeichnung für das >soziale Geschlecht (im Gegensatz zum biologischen Geschlecht „sex“). Gender umfasst die unterschiedlichen Rollen, Normen und Verhaltensweisen, die Frauen und Männern in unserer Gesellschaft zugewiesen werden. Sie sind – im Gegensatz zum biologischen Geschlecht – erlernt und nicht angeboren, damit auch veränderbar.

 
Gender Gap ...wird v.a. in Zusammenhang mit den Lohnunterschieden zwischen Frauen und Männern verwendet (vgl. Gender Wage Gap, Gender pay gap);
Allgemeiner versteht man darunter den statistisch erhobenen Unterschied zwischen Frauen und Männern in Hinblick auf Beteiligung am Erwerbsleben, Bildungswesen, Politik, Unterschiede in Lebenserwartung, usw.
siehe dazu: Global Gender Gap Report des World Economic Forum

 
Gender Mainstreaming GM bedeutet, die geschlechtsspezifischen Realitäten in allen Tätigkeiten und Vorhaben von vornherein zu beachten, damit die Bedürfnisse beider Geschlechter gleichermaßen zum Zug kommen.
Gender Mainstreaming zielt auf Chancengleichheit und >Gleichstellung der Geschlechter. Es erfordert die Berücksichtigung von Gender Aspekten auch im Bereich der Bildungspolitik. Gender Mainstreaming bedeutet, geschlechtergerechtes Lernen zu ermöglichen.
Geschlechtssensibler Unterricht ist ein Mittel zur Erreichung dieses Ziels.

 
Gender Sensitivity "Gender Bewusstsein"
vgl. >Genderkompetenz

 
Gender Studies dt. Frauen- und Geschlechterforschung; wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der sozialen Konstruktion von Geschlecht und ihren Auswirkungen in den unterschiedlichsten Fachbereichen; zumeist interdisziplinär;

 
Genderbeauftragte/r wird oft (fälschlicherweise) als Synonym von Gender Mainstreaming-Beauftragte/r verwendet.
Letztere haben (zumeist) die Aufgabe, >Gender Mainstreaming in ihrer jeweiligen Institution/ Organisation/ Region... zu verankern.
Die Aufgabe von Genderbeauftragten dagegen hat nicht zwingend etwas mit der >top down-Strategie >GM zu tun, vielmehr geht es darum, im jeweiligen Wirkungsbereich Bewusstsein für die unterschiedlichen Aspekte des Themas >Gender zu schaffen und Aktivitäten zu setzen/koordinieren, die die >Genderkompetenz der Beteiligten fördern.

 
Genderkompetenz ist das Wissen um die Auswirkungen der >geschlechtsspezifischen Sozialisation auf Verhalten und Einstellungen von Frauen und Männern und die Fähigkeit, so damit umzugehen, dass im jeweiligen Kontext (privat, schulisch,...) beiden Geschlechtern neue und vielfältige Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet werden.
Zu Genderkompetenz gehört weiters ein Grundwissen über gesellschaftliche Strukturdaten und geschlechtsspezifische Differenzen, Kenntnis (zumindest in Ansätzen) von Geschlechtertheorien sowie Wissen um die Bedeutung >geschlechtergerechter Sprache.
Weiterführend: Sigrid Metz-Göckel/ Christine Roloff: Genderkompetenz als Schlüsselqualifikation

 
Gendertraining Sensibilisierungsworkshops zur Reflexion der eigenen >Geschlechterrollen und -bilder.
Vermittlung von >Genderkompetenz.

 
Geschlechtergerechte Sprache ...ist mehr als das große "I".
Sprache strukturiert unser Denken. Nicht mitgesagt bedeutet oft auch nicht mitgemeint. Geschlechtergerechte Sprache macht Männer UND Frauen in gleichwertiger und symmetrischer Weise sichtbar und trägt damit zur Bewusstseinsbildung bei Sprechenden, Lesenden und Zuhörenden - und damit langfristig zum Abbau von Diskriminierung -bei.
Geschlechtergerechte Sprache ist ein wesentliches Merkmal von >Genderkompetenz sowie Grundlage zur Umsetzung von >Gender Mainstreaming
siehe dazu: Leitfaden des BMUKK

 
Geschlechtergerechtigkeit Geschlechtergerechtigkeit  
Geschlechterrollen Begriff aus der soziologischen Rollentheorie. Bezeichnet wird damit die Summe der von einem Individuum erwarteten Verhaltensweisen als Frau bzw. als Mann und damit ein überindividuelles, relativ stabiles und insofern vorhersagbares geschlechtsspezifisches Verhaltensmuster.
Geschlechterrollen sind nicht naturgegeben, sondern gesellschaftlich und kulturell geprägt und werden im Verlauf der >geschlechtsspezifischen Sozialisation erlernt und internalisiert, was zur Ausbildung einer >Geschlechtsidentität führt. Großen Einfluss hat dabei die Vorbildfunktion der Eltern, aber auch die Schule.
Mädchen/Frauen bzw. Buben/Männer, die nicht dem Rollenklischee entsprechen, werden oft diskriminiert und abgewertet ("Weichei", "Zicke",..).
Die Ausbildung und Ausübung von "nicht-rollenkonformen" Eigenschaften, Interessen, Fähigkeiten wird so oft im Keim erstickt.

 
geschlechtshomogen Es kann in Zusammenhang mit speziellen Themen oder Situationen sinnvoll sein, den Unterricht nach Geschlechtern getrennt durchzuführen. Unterricht in geschlechtshomogenen Gruppen kann zu einer Erweiterung des Verhaltens- und Interessens-spektrums von Mädchen und Burschen beitragen.
siehe auch: >Reflexive Koedukation

 
Geschlechtsidentität meint das Selbstbild in Bezug auf die Geschlechtszugehörigkeit.
Die Geschlechtsidentität ist kein abgeschlossenes "Produkt", sondern ein Prozess, der im frühen Kindesalter beginnt.
 
Geschlechtssensible Berufsorientierung „Berufsorientierung“ meint in diesem Zusammenhang die begleitende Betreuung und/oder Beeinflussung beim Finden und Wählen von Berufs- und Ausbildungswegen – dies kann sowohl schulische Maßnahmen umfassen als auch Interventionen durch andere, für die Berufswahl zentrale, Instanzen.
Geschlechtssensible Berufsorientierung zielt ähnlich wie >geschlechtssensible Pädagogik auf eine Erweiterung der Handlungsspielräume von Mädchen und Buben, hier in Hinblick auf das Berufswahlspektrum.
Geschlechtssensible BO ist sich der Auswirkungen >geschlechtsspezifischer Sozialisation gewahr und bietet Mädchen und Buben bewusst Informationen und Identifikationsmodelle auch abseits der traditionellen >Geschlechterrollen.
„Berufsorientierung bietet auch Gelegenheit, traditionelle Einstellungen und Vorurteile im Hinblick auf Berufs- und Bildungswege zu überprüfen, und zielt darauf ab, den Raum möglicher Berufs- und Bildungsentscheidungen, insbesondere für Schülerinnen, zu erweitern.“
(Berufsorientierungslehrplan für HS)

 
Geschlechtssensible Pädagogik ...zielt darauf ab, die Handlungsspielräume der Mädchen und Buben (auch für ihr künftiges Leben als Erwachsene) zu erweitern.
Als Teil der alltäglichen Beziehung zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern drückt sie eine persönliche Haltung aus, die davon ausgeht, dass alles menschliche Handeln, Denken und Tun geschlechtsspezifisch geprägt ist. Aufgabe von Lehrerinnen und Lehrern ist es, für die Herstellung gleicher Lernchancen für beide Geschlechter zu sorgen, wobei ‚gleich‘ je nach Geschlecht etwas sehr Unterschiedliches bedeuten kann.
Diesen Umstand zu reflektieren bedeutet, geschlechtssensibel zu sein.
Geschlechtssensibles Arbeiten ist nicht gleich zu setzen mit >Gender Mainstreaming, kann aber ein Teil davon sein.

 
Geschlechtsspezifische Sozialisation Kinder machen ab dem Zeitpunkt ihrer Geburt, abhängig vom ihnen zugeordneten biologischen Geschlecht, unterschiedliche Erfahrungen: Mädchen und Buben werden unterschiedlich wahrgenommen, mit ihnen wird unterschiedlich kommuniziert und die Handlungsspielräume, die ihnen eröffnet werden, sind unterschiedlich (z.B. in punkto Spielzeug).
Mädchen und Buben lernen während des Heranwachsens was als >männlich und als >weiblich gilt in ihrem Umfeld (>Geschlechterrollen) und versuchen, diesen Vorstellungen zu entsprechen.
Dieser Erwartungen sind a) je nach sozialem und kulturellem Kontext unterschiedlich und damit nicht "natürlich" und b) nicht nur unabhängig von den individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten der jeweiligen Person, sondern können diesen sogar im Weg stehen.(->"Ein Mädchen/Bub tut so etwas nicht...!")
Thematisch passendes Zitat:
"Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es." (Simone de Beauvoir)

 
Gleichbehandlung Der Grundsatz der Gleichbehandlung aufgrund des Geschlechts bedeutet, dass niemand bevorzugt oder benachteiligt werden darf, nur weil er/sie eine Frau bzw. ein Mann ist.
Bundesgleichbehandlungsgesetz
Juristische Gleichbehandlung ist aber nicht gleichzusetzen mit faktischer Gleichbehandlung. Frauen und Männer haben in unserer Gesellschaft vielfach ungleiche Voraussetzungen (>Geschlechterrollen, Macht, Einfluss), Ungleiches gleich zu behandeln kann daher Ungerechtigkeiten reproduzieren.
Umfassender ist daher der Begriff >Gleichstellung.

 
Gleichstellung In Hinblick auf >Gleichbehandlung darf nicht allein das biologische Geschlecht zum Vergleich herangezogen werden, es muss auch berücksichtigt werden, dass sozial oder kulturell geformte >Geschlechterrollen bestimmte Bilder und Erwartungen hervorrufen, die im Ergebnis zu Benachteiligungen führen.
Gleichstellung ist daher die Zieldefinition für die Situation, in der Frauen und Männer ihre persönlichen Fähigkeiten frei entwickeln und entfalten können, ohne durch geschlechtsspezifische Rollenmuster oder sonstige Zuschreibungen eingeschränkt zu werden.